Geboren, um zu sterbenDas Leben einer Legehenne

So verläuft das kurze Leben einer Legehenne in der industriellen Tierhaltung in Deutschland.

Das Küken schlüpft in einer sogenannten Brüterei. Seine Eltern sieht das junge Tier niemals, denn diese werden in sogenannten Vermehrungsbetrieben gehalten. Ihre Aufgabe ist, Eier zu produzieren, aus denen dann die späteren Legehennen schlüpfen. Die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit im Brutschrank sind so reguliert, dass das Küken nach drei Wochen schlüpft. Es muss den anstrengenden Schlupf ohne seine Mutter bewältigen. Tiere, die es nicht schaffen, sortiert das Betriebspersonal aus und tötet sie. 

Zeit zum Erholen bekommen die Tiere kaum, bevor sie auf Fließbänder geschüttet werden.

Das sogenannte Kükentöten war noch bis Ende 2020 erlaubt – entweder durch Schreddern oder durch Gas. Seit Anfang 2022 ist die Geschlechtsbestimmung im Ei Praxis. Bei dieser werden die Küken bereits vor dem Schlupf aussortiert. Ethisch akzeptabel ist diese Vorgehensweise allerdings nicht: Zum einen lässt sich nicht ausschließen, dass die Küken beim Brutabbruch Schmerzen empfinden, zum anderen wird ein Lebewesen regelrecht weggeworfen. Bei diesem Verfahren kann es zu Fehlern kommen: Ein Teil männlicher Küken bleibt unentdeckt. Je nach Methode liegt die Quote bei 0,5 bis vier Prozent. In dem Fall sortiert das Betriebspersonal die geschlüpften männlichen Küken anschließend aus. 

Wie Ware wird das Küken gemeinsam mit den anderen weiblichen Tieren zu Tausenden in Kisten geworfen und übereinandergestapelt.

Danach kommt es in den LKW, der die jungen Tiere in die Junghennenaufzucht transportiert. Noch keine 24 Stunden alt muss das Küken einen Transport überstehen, der viele Stunden dauern kann. 

Den Küken fehlt in diesen kritischen ersten Lebenstagen die Mutter, die ihnen das Wichtigste beibringt. Einige von ihnen sterben, weil sie allein weder Wasser noch Nahrung finden. Die Betriebe investieren nur das Nötigste in die Tiere und nehmen diesen vorzeitigen Tod in Kauf. 

Das Küken überlebt und wächst 18 bis 21 Wochen hier auf.

Danach ist es fast ausgewachsen und muss den Transport in den Legebetrieb über sich ergehen lassen. Dieser darf ohne Fütterung ganze 12 Stunden dauern. 

Die konventionelle Käfighaltung, auch Legebatterie genannt, ist seit 2010 in Deutschland verboten. 5,6 Prozent aller Legehennen leben allerdings noch in sogenannten Kleingruppenkäfigen. Diese Haltungsform ist ab 2026 nicht mehr erlaubt, die Frist kann aber bis 2028 verlängert werden. Im Ausland ist sie nach wie vor gang und gäbe. Hier lebt die Henne in extrem engen, übereinander gestapelten Käfigen. Dort ist sie mit ungefähr 65 Artgenossen eng an eng zusammengedrängt und hat kaum mehr als eine DIN-A4-Seite Platz. Ihren natürlichen Verhaltensweisen kann sie in diesem Umfeld nicht nachgehen. Darum entwickelt sie schwere Verhaltensstörungen wie zum Beispiel Federpicken. Weil sie sich so wenig bewegen kann, leidet sie unter gesundheitlichen Schäden wie Geschwüren an den Fußballen sowie Fettleber. Folge der extremen Legeleistung können außerdem schwache Knochen sein. Da die Henne so viele Eier legen muss, ist das Kalzium für die Ausbildung der Eierschale notwendig.

59,8 Prozent der 50 Millionen in Deutschland gehaltenen Legehennen leben in Bodenhaltung. Gehört die Henne dazu, fristet sie zusammen mit mehreren Tausend Hühnern in einer riesigen Halle ein trauriges Leben: Mit neun Artgenossen muss sie sich einen Quadratmeter teilen, erhält keinen Auslauf und kann sich nicht nach Belieben bewegen. Statt Sandbäder zu nehmen, zu picken und zu scharren, muss das Tier mit wenigen Nestern und Sitzstangen vorliebnehmen. 

Normalerweise legt die Henne nicht zu jeder Jahreszeit Eier. Als Legehenne soll das Tier aber fast täglich ein Ei legen. Deshalb gaukelt das Betriebspersonal ihr und den anderen Tieren mit künstlicher Beleuchtung in den Ställen Sommer vor. 

Die Henne leidet extrem darunter, dass sie sich nie zurückziehen kann. Das dichte Gedränge und die karge Umgebung sorgen dafür, dass die Tiere Verhaltensstörungen entwickeln. Die normalerweise friedlichen Tiere picken einander die Federn aus, weil sie nicht genug Platz haben und es ihnen an Beschäftigung fehlt. 

Im Stall findet alles an einem Ort statt: Die Henne steht, frisst und trinkt dort, wo sie ebenfalls kotet – so wie die anderen unzähligen Tiere. Der Boden ist so schmutzig, dass Ammoniakdämpfe aufsteigen. Die schlechte Luft ist für die Tiere eine enorme Belastung. 

Annähernd täglich legt die Henne ein Ei. Natürlich ist diese Frequenz keineswegs. Während ein hochgezüchtetes Tier heutzutage auf bis zu 320 Eier jährlich kommt, legt ein Bankiva-Huhn, das Urhuhn, nur etwa 12 bis 40 Eier pro Jahr. 

Diese enorme Leistung ist für die Henne außerordentlich belastend: Sie ist andauernd erschöpft und trägt körperliche Schäden von den Strapazen davon. Sie leidet unter diversen Krankheiten und Verletzungen, hat unter Umständen sogar ein gebrochenes Brustbein oder entzündete Eileiter. 

Nach anderthalb Jahren ist die Henne am Ende. Sie ist völlig ausgezehrt und kann nicht mehr so viele Eier legen. Aus diesem Grund ist sie für den Betrieb unwirtschaftlich und wird geschlachtet. Der Transport zum Schlachthof ist in diesem Zustand für das Tier unerträglich. Er ist meist lang, weil es in Deutschland nicht genug Schlachtplätze für hier gehaltene Legehennen gibt. Deshalb führt ihr Weg oft ins Ausland. Während dieser Fahrt leidet die Henne an Hunger, Durst, Kälte oder Hitze und hat kaum Platz. 

Im Schlachtbetrieb angekommen, hängt das Personal die Henne bei vollem Bewusstsein kopfüber an ihren Beinen auf. Sie gerät dabei in Panik und versucht, sich zu befreien. Dabei kann sie sich stark verletzen oder ihre Knochen brechen. 

Das Förderband fährt das Tier schließlich zum elektrischen Wasserbad. Dort wird die Henne in das unter Spannung gesetzte Wasser getaucht. Der Stromschlag soll das Tier bewusstlos werden lassen. Doch bei vier Prozent der Legehennen ist diese Methode nicht erfolgreich, sodass sie ein zweites Mal betäubt werden müssen. Leider ist davon auszugehen, dass ein Teil der Tiere die darauffolgende Schlachtung bei vollem Bewusstsein miterlebt.

Von der Betäubung wird die aufgehängte Henne zu einer Metallklinge geführt, die ihr die Kehle durchschneidet.

All das muss die Legehenne durchstehen, damit der Mensch Eier und Ei-Produkte verzehren kann. Doch es geht anders – vegan und tierfreundlich. Auf unserer Website findest Du Artikel und Tipps rund um die pflanzliche Lebensweise sowie zahlreiche Rezepte. Auch gedrucktes Infomaterial kannst Du ganz einfach über unser Bestellformular anfordern und wir schicken es Dir zu. Weitere Informationen über die Haltungsbedingungen in der industriellen Landwirtschaft erhältst Du in unserem ausführlichen Artikel „Das Leben einer Legehenne“.

Text & Projektleitung:
Melanie Frommelius

Grafische Umsetzung:
Tim Müller, muellergrafik.com

Wissenschaftliche Mitarbeit:
Annika Lange, Kathrin Zvonek

Technische Umsetzung:
Eulenblick – Kommunikation und Werbung, agentur-eulenblick.de